Erfahrungen

Viele der Menschen, die nach Deutschland flüchten sind schutzbedürftig. Sie haben Krieg, Verfolgung, Folter und schließlich die Flucht überlebt.

So wie Lilia aus Serbien, deren Familie als Roma verfolgt wurde. Sie hat ein Kind bei einem mutwillig verursachten Autounfall verloren, selbst einen Mordversuch überlebt und musste mitansehen, wie ihr Haus angezündet wurde. Als die Familie nichts mehr hatte, floh sie nach Deutschland. Auf Anraten Ihre Arztes kam sie zu REFUGIO. Auf ihrem ersten Bild im Rahmen der Kunsttherapie malte sie den ersten Tag in Deutschland: Es sind Eltern und Kinder zu sehen, die in einem Park stehen. Sie wirken wie abgestellt, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Die Familie ist in Bremen untergebracht in einem Wohnheim. Eng, ist es. Angst überkommt sie, zurückgeschickt zu werden. Krank vor Angst, mit Schlafstörungen, Albträumen, Rücken- und Bauchschmerzen wendet die Frau sich an REFUGIO.

„Wenn der Aufenthalt etwas gesichert ist, wirkt sich das körperlich aus.“
Gisela Köster, Kunsttherapeutin bei REFUGIO

Später, als die Familie eine eigene Wohnung bezieht, vervollständigt sie auch das erste Bild. Sie zeichnet die neuen Zimmer und Betten der Kinder.

 

Morteza ist ein ruhiger, oft lächelnder junger Mann. Man merkt ihm nicht an, welche Angst, welches Misstrauen in die Welt und große seelischen Verletzungen er hinter diesem Lächeln verbirgt. Er ist 19 Jahre alt und hat große Angst davor, nach Afghanistan zurückkehren zu müssen. Er kann sich nicht vorstellen, an den Ort des Schreckens zurückzukehren, wo er seine Kindheit verloren hat und als Minderjähriger extremer Gewalt und Schutzlosigkeit ausgesetzt war. Sein Wunsch ist es, in Ruhe leben zu können und Schule oder Ausbildung aufnehmen zu können.

Nach der sehr belastenden Phase der Unsicherheit in Bezug auf seinen Aufenthalt und Asylantrag konnte eine Anbindung an das Zentrum und ein therapeutisches Clearing beginnen. Auch ein Facharzt für Psychiatrie wurde konsultiert. Wir begleiten diesen Prozess auf therapeutischer Ebene. Begonnen haben wir nach dem Clearing mit Stabilisierung und Ressourcenaktivierung. Besonders die therapeutischen Gespräche sind ihm wichtig. Zum Fußballprojekt von REFUGIO geht er auch, regelmäßig. Die Gruppe ist wichtig für ihn.

„Mit Sport kann ich meine Hoffnungslosigkeit beherrschen.“ Morteza, ehemaliger Klient

Es fällt ihm sehr schwer, Worte für die Geschehnisse in seiner Vergangenheit zu finden. Seine Bitte ist, dass seinem Fall Aufmerksamkeit und Gerechtigkeit geschenkt wird und er in Bremen eine sichere Aufenthaltsperspektive erhält.

 

Das Warten auf die Aufenthaltsgenehmigung zermürbt die Lebensenergie der geflüchteten Menschen, solange sie  nicht neu anfangen können. Sie leben unter ständiger Angst, dass sie in das Land zurückkehren müssen, in dem sie verfolgt werden.

Das hat auch Sibafu so erlebt. Er hat in seinem Heimatland Kamerun gegen die Regierung protestiert und musste flüchten.

„Nachdem ein paar Leute einfach so verschwunden sind, habe ich regimekritische Lieder gesungen. Dann wurde ich selbst abgeholt“. Sibafu, ehemaliger Klient

Auch er hatte nach seiner Flucht nach Bremen lange Zeit mit Albträumen zu kämpfen.

„Mittlerweile wurde Sibafu als politischer Flüchtling anerkannt. Er lebt in Süddeutschland und wird bald seine Ausbildung zum Winzer abschließen.“ Ingrid Koop, Therapeutische Leiterin bei REFUGIO

junge mit fußballHamit ist ein 11jähriger Junge, der durch seine freundliche und offene Art Herzen für sich gewinnt und dem es leicht fällt, Freundschaften zu schließen. Aufgrund seiner Erlebnisse im Heimatland Irak leidet er jedoch noch immer unter nächtlichen Alpträumen und tagsüber unter ihn erschreckenden Bildern und Vorstellungen, die er nicht kontrollieren kann.

„Auf dem Schulweg begegnen mir Monster.“ Hamit, ehemaliger Klient

Er hat immer noch Angst um das Leben seiner Eltern, obwohl die Familie seit zwei Jahren in Bremen lebt. Er geht zur Schule und nimmt regelmäßig an gruppentherapeutischen Angeboten von REFUGIO teil. Was Hamit aber nicht verstehen kann, ist, warum er und seine Familie als Flüchtlinge finanziell so eingeschränkt leben müssen. „Sind die anderen Menschen bessere Menschen als wir?“

Michael ist 2001 aus Sierra Leone nach Bremen geflohen. Er hatte Alpträume, Flashbacks und Bluthochdruck. Auf Anraten von UnterstützerInnen begann er damals eine Therapie bei REFUGIO. Der heute 32jährige war als Kind ein Soldat im Bürgerkrieg.

„Das Beste, was mir passieren konnte. Die Psychologin lehrte mich, wie man mit Menschen umgeht, wie man Beziehungen eingeht.« Michael, ehemaliger Klient

Parallel zur Therapie hat Michael seine Schulabschlüsse nachgeholt und eine Ausbildung gemacht. Zusammen mit seiner Therapeutin habe er nach seinen Stärken gesucht und die Musik entdeckt, sagt er heute. Und die Musik helfe ihm, das Erlebte zu verarbeiten, sagt Michael.

 

exil Foto 10 Frau am WasserAda, war 6 Jahre alt, als sie zu REFUGIO kam. Sie kommt aus dem Irak. Ihre Eltern haben geheiratet, obwohl sie verfeindeten Religionsgruppen angehören. Ein Entschluss, der die Familie fast das Leben kostete. Nach einem schweren Fluchtweg in Bremen angekommen, überfällt Ada noch lange große Angst bei Dunkelheit, nachts plagen sie Alpträume, schreiend schreckt sie hoch. Tags ist sie zurückgezogen, spielt am liebsten alleine. Was sie erlebt hat, kann sie nicht in Worte fassen. Bei REFUGIO kann sie langsam Vertrauen fassen. Im Spiel und beim Malen findet sie einen Ausdruck für das Erlebte. Heute kann sie wieder lachen.

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