Erfahrungen

Viele der Menschen, die nach Deutschland flüchten sind schutzbedürftig. Sie haben Krieg, Verfolgung, Folter und schließlich die Flucht überlebt.

Unsere Klient*innen brauchen auch in der Corona-Zeit dringend unsere Unterstützung. Wir tun unser Bestes, um für unsere Klient*innen da zu sein. Eine unserer Klient*innen, Amira, schildert ihre Erfahrungen so:

Ich lag im Bett, mir ging es sehr schlecht, ich hatte große Angst, all meine Erlebnisse waren wieder da. Ich hatte Angst, was passiert, wenn ich mich anstecke, krank werde, wer passt dann auf meine Töchter auf, wer kümmert sich…? Meine beiden kleinen Töchter saßen neben mir und versuchten mir zu helfen, ich wollte nur schlafen.
Dann klingelte mein Telefon, S. meine Dolmetscherin war am Telefon und meinte, dass meine Therapeutin von Refugio wissen möchte, wie es mir geht.
Ich sagte S., dass es mir schlecht gehe. Ich dachte, dass es mir vielleicht gut tue mit ihr und meiner Therapeutin zu sprechen. Es tat mir gut. Ich hatte das Gefühl nicht allein zu sein, war froh darüber, dass es jemanden gibt, der da ist, mit dem ich reden kann, mit dem ich meine Angst teilen kann. Ich habe zwei Mal in der Woche mit meiner Dolmetscherin und Therapeutin gesprochen. Wir haben das über das Internet gemacht. Es gibt ein Programm, um sich per Video zu treffen. Da waren wir alle drei an unterschiedlichen Orten und konnten uns aber trotzdem sehen. Natürlich finde ich es schöner mit den beiden in einem Zimmer zu sein, aber das ging ja nicht. Und für mich hat sich das auch angefühlt, als wären wir zusammen, ganz nah waren die beiden mir. Ich bin so froh, dass ich die Gespräche mit den beiden hatte, sie haben mir Hoffnung und Kraft gegeben. Jetzt sehen wir uns einmal in der Woche, immer noch über das Internet. Aber ich hoffe, dass ich bald wieder zu REFUGIO kommen kann.

Lilia aus Serbien, deren Familie als Roma verfolgt wurde, hat ein Kind bei einem mutwillig verursachten Autounfall verloren, selbst einen Mordversuch überlebt und musste mitansehen, wie ihr Haus angezündet wurde. Als die Familie nichts mehr hatte, floh sie nach Deutschland. Auf Anraten Ihre Arztes kam sie zu REFUGIO. Auf ihrem ersten Bild im Rahmen der Kunsttherapie malte sie den ersten Tag in Deutschland: Es sind Eltern und Kinder zu sehen, die in einem Park stehen. Sie wirken wie abgestellt, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Die Familie ist in Bremen untergebracht in einem Wohnheim. Eng, ist es. Angst überkommt sie, zurückgeschickt zu werden. Krank vor Angst, mit Schlafstörungen, Albträumen, Rücken- und Bauchschmerzen wendet die Frau sich an REFUGIO.

„Wenn der Aufenthalt etwas gesichert ist, wirkt sich das körperlich aus.“
Gisela Köster, Kunsttherapeutin bei REFUGIO

Später, als die Familie eine eigene Wohnung bezieht, vervollständigt sie auch das erste Bild. Sie zeichnet die neuen Zimmer und Betten der Kinder.

Morteza ist ein ruhiger, oft lächelnder junger Mann. Man merkt ihm nicht an, welche Angst, welches Misstrauen in die Welt und große seelischen Verletzungen er hinter diesem Lächeln verbirgt. Er ist 19 Jahre alt und hat große Angst davor, nach Afghanistan zurückkehren zu müssen. Er kann sich nicht vorstellen, an den Ort des Schreckens zurückzukehren, wo er seine Kindheit verloren hat und als Minderjähriger extremer Gewalt und Schutzlosigkeit ausgesetzt war. Sein Wunsch ist es, in Ruhe leben zu können und Schule oder Ausbildung aufnehmen zu können.

Nach der sehr belastenden Phase der Unsicherheit in Bezug auf seinen Aufenthalt und Asylantrag konnte eine Anbindung an das Zentrum und ein therapeutisches Clearing beginnen. Auch ein Facharzt für Psychiatrie wurde konsultiert. Wir begleiten diesen Prozess auf therapeutischer Ebene. Begonnen haben wir nach dem Clearing mit Stabilisierung und Ressourcenaktivierung. Besonders die therapeutischen Gespräche sind ihm wichtig. Zum Fußballprojekt von REFUGIO geht er auch, regelmäßig. Die Gruppe ist wichtig für ihn.

„Mit Sport kann ich meine Hoffnungslosigkeit beherrschen.“ Morteza, ehemaliger Klient

Es fällt ihm sehr schwer, Worte für die Geschehnisse in seiner Vergangenheit zu finden. Seine Bitte ist, dass seinem Fall Aufmerksamkeit und Gerechtigkeit geschenkt wird und er in Bremen eine sichere Aufenthaltsperspektive erhält.

Das Warten auf die Aufenthaltsgenehmigung zermürbt die Lebensenergie der geflüchteten Menschen, solange sie  nicht neu anfangen können. Sie leben unter ständiger Angst, dass sie in das Land zurückkehren müssen, in dem sie verfolgt werden.

junge mit fußballHamit ist ein 11jähriger Junge, der durch seine freundliche und offene Art Herzen für sich gewinnt und dem es leicht fällt, Freundschaften zu schließen. Aufgrund seiner Erlebnisse im Heimatland Irak leidet er jedoch noch immer unter nächtlichen Alpträumen und tagsüber unter ihn erschreckenden Bildern und Vorstellungen, die er nicht kontrollieren kann.

„Auf dem Schulweg begegnen mir Monster.“ Hamit, ehemaliger Klient

Er hat immer noch Angst um das Leben seiner Eltern, obwohl die Familie seit zwei Jahren in Bremen lebt. Er geht zur Schule und nimmt regelmäßig an gruppentherapeutischen Angeboten von REFUGIO teil. Was Hamit aber nicht verstehen kann, ist, warum er und seine Familie als Flüchtlinge finanziell so eingeschränkt leben müssen. „Sind die anderen Menschen bessere Menschen als wir?“

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