Erfahrungen

Viele der Menschen, die nach Deutschland flüchten sind schutzbedürftig. Sie haben Krieg, Verfolgung, Folter und schließlich die Flucht überlebt.

So wie Lilia aus Serbien, deren Familie als Roma verfolgt wurde. Sie hat ein Kind bei einem mutwillig verursachten Autounfall verloren, selbst einen Mordversuch überlebt und musste mitansehen, wie ihr Haus angezündet wurde. Als die Familie nichts mehr hatte, floh sie nach Deutschland. Auf Anraten Ihre Arztes kam sie zu REFUGIO. Auf ihrem ersten Bild im Rahmen der Kunsttherapie malte sie den ersten Tag in Deutschland: Es sind Eltern und Kinder zu sehen, die in einem Park stehen. Sie wirken wie abgestellt, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Die Familie ist in Bremen untergebracht in einem Wohnheim. Eng, ist es. Angst überkommt sie, zurückgeschickt zu werden. Krank vor Angst, mit Schlafstörungen, Albträumen, Rücken- und Bauchschmerzen wendet die Frau sich an REFUGIO.

„Wenn der Aufenthalt etwas gesichert ist, wirkt sich das körperlich aus.“
Gisela Köster, Kunsttherapeutin bei REFUGIO

Später, als die Familie eine eigene Wohnung bezieht, vervollständigt sie auch das erste Bild. Sie zeichnet die neuen Zimmer und Betten der Kinder.

Das Warten auf die Aufenthaltsgenehmigung zermürbt die Lebensenergie der geflüchteten Menschen, solange sie  nicht neu anfangen können. Sie leben unter ständiger Angst, dass sie in das Land zurückkehren müssen, in dem sie verfolgt werden. Das hat auch Sibafu so erlebt. Er hat in seinem Heimatland Kamerun gegen die Regierung protestiert und musste flüchten.

„Nachdem ein paar Leute einfach so verschwunden sind, habe ich regimekritische Lieder gesungen. Dann wurde ich selbst abgeholt“. Sibafu, ehemaliger Klient

Auch er hatte nach seiner Flucht nach Bremen lange Zeit mit Albträumen zu kämpfen.ingrid koop

„Mittlerweile wurde Sibafu als politischer Flüchtling anerkannt. Er lebt in Süddeutschland und wird bald seine Ausbildung zum Winzer abschließen.“ Ingrid Koop, Therapeutische Leiterin bei REFUGIO

Auch der junge T. , geboren in Tschetschenien musste fliehen und kam als Fünfjähriger mit seiner Familie nach Deutschland. Zu REFUGIO kam er wegen Stotterns, sensorischer Deprivation und motorischer Auffälligkeiten. Er  hatte große Schwierigkeiten, sich in größeren Gruppen zu behaupten oder Freunde zu finden. Er fühlte sich generell oft in der Rolle des Opfers, ohne seinen Gefühlen einen adäquaten Ausdruck geben zu können. Es wurde eine Anpassungsstörung diagnostiziert. Er war 11 Jahre alt als er zu REFUGIO kam.
junge mit fußballNach ca. 1 Jahr Einzeltherapie wurde er in der Kunsttherapeutischen Jungengruppe aufgenommen. Im geschützten Raum der Gruppe traf T. auf andere Jungen mit ähnlichen Biografien und z.T. ähnlichen Schwierigkeiten. T.`s Stärken lagen vor allem im kognitiven Bereich, er zeigte großes Interesse an Büchern und überraschte mit feinem Humor. Inzwischen hat er sehr an Selbstsicherheit und sozialen Kompetenzen gewonnen. Auch motorisch ist er nachgereift, in seiner Freizeit spielt er begeistert im Fußballverein. Als großer Werder-Fan weiß alle aktuellen Spielstände der Bundesliga aus dem Kopf und kennt sämtliche europäischen Spieler und deren Daten. Seine Fußballbegeisterung teilt er mit anderen Jungen, mit denen er eine stabile Freundschaft pflegt. Inzwischen besucht er das Gymnasium.

Hamit ist ein 11jähriger Junge, der durch seine freundliche und offene Art Herzen für sich gewinnt und dem es leicht fällt, Freundschaften zu schließen. Aufgrund seiner Erlebnisse im Heimatland Irak leidet er jedoch noch immer unter nächtlichen Alpträumen und tagsüber unter ihn erschreckenden Bildern und Vorstellungen, die er nicht kontrollieren kann.

„Auf dem Schulweg begegnen mir Monster.“ Hamit, ehemaliger Klient

Er hat immer noch Angst um das Leben seiner Eltern, obwohl die Familie seit zwei Jahren in Bremen lebt. Er geht zur Schule und nimmt regelmäßig an gruppentherapeutischen Angeboten von REFUGIO teil. Was Hamit aber nicht verstehen kann, ist, warum er und seine Familie als Flüchtlinge finanziell so eingeschränkt leben müssen. „Sind die anderen Menschen bessere Menschen als wir?“

Michael ist 2001 aus Sierra Leone nach Bremen geflohen. Er hatte Alpträume, Flashbacks und Bluthochdruck. Auf Anraten von UnterstützerInnen begann er damals eine Therapie bei REFUGIO. Der heute 32jährige war als Kind ein Soldat im Bürgerkrieg.

„Das Beste, was mir passieren konnte. Die Psychologin lehrte mich, wie man mit Menschen umgeht, wie man Beziehungen eingeht.« Michael, ehemaliger Klient

Parallel zur Therapie hat Michael seine Schulabschlüsse nachgeholt und eine Ausbildung gemacht. Zusammen mit seiner Therapeutin habe er nach seinen Stärken gesucht und die Musik entdeckt, sagt er heute. Und die Musik helfe ihm, das Erlebte zu verarbeiten, sagt Michael.

exil Foto 10 Frau am WasserAda, war 6 Jahre alt, als sie zu REFUGIO kam. Sie kommt aus dem Irak. Ihre Eltern haben geheiratet, obwohl sie verfeindeten Religionsgruppen angehören. Ein Entschluss, der die Familie fast das Leben kostete. Nach einem schweren Fluchtweg in Bremen angekommen, überfällt Ada noch lange große Angst bei Dunkelheit, nachts plagen sie Alpträume, schreiend schreckt sie hoch. Tags ist sie zurückgezogen, spielt am liebsten alleine. Was sie erlebt hat, kann sie nicht in Worte fassen. Bei REFUGIO kann sie langsam Vertrauen fassen. Im Spiel und beim Malen findet sie einen Ausdruck für das Erlebte. Heute kann sie wieder lachen.

MITMACHEN & SPENDEN