Behandlung

REFUGIO Bremen ist ein psychosoziales und therapeutisches Behandlungszentrum für Geflüchtete und Folterüberlebende. Für die Neuaufnahme und Diagnostik bei REFUGIO ist ein Erstgespräch mit unseren Therapeut*innen nötig. Weitere Informationen: hier

Psychotherapie

Neben der Psychosozialen Beratung für unsere Klient*innen ist die psychotherapeutische Behandlung eine Kernaufgabe von REFUGIO. Die Behandlungsangebote werden entsprechend unseres multimodalen, integrativen Ansatzes durchgeführt und ist auch auf spezielle Zielgruppen zugeschnitten.
Psychotherapie für Folterüberlebende: Viele Patient*innen von REFUGIO wurden in ihrem Herkunftsland gefoltert. Sie brauchen neben psychosozialer Unterstützung und Beratung auch Aufklärung über Folter und Folterfolgen. Häufig bedürfen sie einer spezialisierten psychotherapeutischen bzw. traumatherapeutischen Behandlung.
Traumatherapie: Die meisten Geflüchteten, die zu REFUGIO kommen, haben schwere traumatisierende Erfahrungen mitgemacht. Ein großer Teil von ihnen ist daran erkrankt und benötigt spezialisierte Behandlung. Das erste Ziel in der Therapie mit schwertraumatisierten Menschen ist die Herstellung einer Situation der Sicherheit und eines  Vertrauensverhältnisses für die weitere Arbeit. Zudem sollte das therapeutische Vorgehen durch Zurückhaltung und Vorsicht bestimmt sein, denn die Klient*innen sind ja gerade durch permanente extreme Grenzverletzungen gezeichnet. Andernfalls besteht im ungünstigsten Fall die Gefahr einer Retraumatisierung.

Das Trauma integrieren: Unter diesen Voraussetzungen kann dann versucht werden, Stück für Stück Teile der traumatischen Erlebnisse zu besprechen. Vieles, was vorher nicht zu ertragen war, kann jetzt unter Umständen in der Erinnerung gemeinsam ausgehalten und auf eine andere Weise verarbeitet werden. So kann es gelingen, das Krankmachende des Traumas aufzulösen und den KlientInnen einen weniger leidvollen Umgang damit zu ermöglichen. Vergessen lässt sich eine traumatische Erfahrung nicht, aber sie kann in ihrer Ausschließlichkeit aufgelöst und wieder in die Lebensgeschichte integriert werden. In der Praxis gelingt dieser Idealverlauf oft nur teilweise.

„Häufig kommen die Menschen viel zu spät – mit einem oder zwei Jahren Verzögerung – zu uns“, berichtet Ingrid Koop, Therapeutische Leiterin von Refugio (2001-Koop-integrative-traumatherapie-folteropfer).

REFUGIO arbeitet  mit extrem traumatisierten Flüchtlingen nach einem Modell Integrativer Traumatherapie. Unter den herrschenden politischen Bedingungen in der Heimat wie im Exilland sind dabei die beiden schwerwiegendsten Faktoren die unsichere Aufenthaltssituation und die unklare Rückkehrperspektive. Nur schwer kann dann ein verlässlicher, sicherer Raum für die Behandlung entstehen. Die Arbeit wird immer wieder von aktuellen Entwicklungen im Asylverfahren und den widrigen Bedingungen des Alltagslebens Geflüchteter zurückgeworfen. Auch dramatische Vorkommnisse im Heimatland können sich negativ auf die Behandlung auswirken und die KlientInnen in eine Krise stürzen. Die therapeutische Arbeit konzentriert sich dann auf die Stützung der Klient*innen und auf die Stärkung ihrer eigenen Ressourcen und Möglichkeiten.

Die traumatherapeutische Arbeit im Bremer Behandlungszentrum wird u.a. unterstützt vom Bremer Senat und der Bremischen Evangelischen Kirche.

Bewegungstherapie

Körper- und Kreativtherapien sind ein Teil unseres multimodalen, integrativen Behandlungsansatzes. In der Kombination der Therapien sehen wir, bei entsprechend ausgewähltem Klientel, einen entspannten Geist in einem entspannten Körper und umgekehrt. Sie finden beispielsweise als Erweiterung einer Psychotherapie statt. Die Erfolge, die wir in den letzten Jahren gesehen haben, bestärken uns zu sagen, dass ein multimodales, integrativ aufeinander abgestimmtes Vorgehen erfolgreicher ist als ein Nebeneinander einzelner Behandlungsformen. REFUGIO bietet außerdem passende Bewegungsangebote, wie etwa Fußball- oder Tanzprojekte, für Kinder und Jugendliche an.

Körper- und integrative Bewegungstherapie

Körperliche Schmerzen sind untrennbar mit den seelischen verbunden. Eine belastete Körperlichkeit kann eine Belastung der Gefühle oder der Gedanken zur Folge haben. Folterüberlebende, beispielsweise, sind konkret in ihrer Leiblichkeit bedroht und beschädigt worden, was in der Regel zur Ausbildung einer akuten oder chronischen Stressphysiologie führt und Auswirkungen auf den emotionalen, kognitiven und auch sozialen Bereich hat. Durch körperliche Entspannung und Aktivierung, Bewegungsübungen, Körperarbeit, Physiotherapie, Sport etc., werden Emotionen und Kognitionen beeinflusst und Änderungen im sozialen Netzwerk bewirkt. Manchmal bringt alleine das Gehen, das Bewegen im Raum  eingefahrene Gedanken und erstarrte Gefühle wieder „in Bewegung“. Die äußere Bewegung bewirkt so auch eine innere Bewegung.

Bewegungsgruppe für kurdische Frauen

Auf Grund der positiven Erfahrungen mit multimodaler Behandlung wurde eine Bewegungsgruppe für kurdische Frauen aufgebaut. Die Gruppe trifft sich 14-tägig mit sechs bis acht Frauen, angeleitet von einer Integrativen Bewegungs- und Leibtherapeutin und begleitet von einer Dolmetscherin.

(Filmbeitrag von Ines Nastali und Sandra Sperling)

Traumatische Erfahrungen führen häufig zu Störungen im Leiberleben. Bewegungsarmut, reduzierter Körperausdruck und Muskelverspannungen sowie eingeengte flache Atmung sind hierfür sichtbare Zeichen. Häufig nehmen traumatisierte Menschen Schmerzen, jedoch nicht Entspannung wahr. Die Wiederentdeckung des Körpers steht im Mittelpunkt der Gruppenarbeit. Mit Bewegungs- und Wahrnehmungsübungen soll das verloren gegangene Gefühl für den eigenen Körper wiederentdeckt werden.  Die teilnehmenden Frauen sollen befähigt werden, eine verbesserte Funktionstüchtigkeit ihres Körpers zu erlangen. Über diesen Weg können sie sich verloren geglaubte und auch neue Gefühlsräume erschließen. Mehr zur Integrativen Bewegungs- und Leibtherapie finden Sie unter www.eag-fpi.de.

Kunsttherapie

Im Mittelpunkt der Kunsttherapie steht der Prozess des Gestaltens mit künstlerischen Mitteln wie Malen, Zeichnen und Plastizieren mit Ton. Im eigenen bildnerischen Tun und der damit verbundenen emotionalen Beteiligung liegt die heilsame Wirkung der Kunsttherapie.


Das Eintauchen in den Gestaltungsprozess und die Bewältigung der technisch-handwerklichen Probleme bindet die Aufmerksamkeit an konstruktives Tun, fördert so die Konzentrations- und Entscheidungsfähigkeit und regt insgesamt die Selbstheilungskräfte der Menschen an. In ganzheitlichem Erleben wächst durch das Sehen, Fühlen, Spüren, Denken und Gestalten auf intensive Weise (wieder) das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit. Dadurch kann Abstand zu quälenden Erinnerungen entstehen und die Fähigkeit zur Entspannung gefördert werden.

„Schwere Erinnerungen wiegen schwer. Wir versuchen gute Erinnerungen auf die andere Seite der Waage zu legen, um eine Balance zu schaffen.“ Gisela Köster, Kunsttherapeutin bei REFUGIO

Kunsttherapie ist deswegen auch sehr geeignet für  die Arbeit an persönlichen Ressourcen. In der traumatherapeutischen Arbeit bietet Kunsttherapie manchmal einen ersten, nonverbalen Zugang zu  Erlebnissen „namenlosen Entsetzens“, die (noch) nicht in Worte gefasst werden können.

„Relaxing the nerves!“ So beschreibt eine Teilnehmerin aus Syrien die Wirkung.

Bei REFUGIO arbeiten Kunsttherapeutinnen mit einzelnen Klient*innen oder in der Gruppe. Der kunsttherapeutische bzw. kunstpädagogische Ansatz wird auch mit Erfolg  in der Prävention eingesetzt, z. B. bei Kindern und mitbetroffenen Familienmitgliedern.

Ausstellung

VON KARTOFFELN UND APRIKOSEN

Im Herbst 2014 zeigten wir in der VHS Bremen ausgewählte Arbeiten aus der Kunsttherapie mit Geflüchteten. Die Ausstellung präsentiert über 70 Exponate, die in den vergangenen fünf Jahren in der Arbeit mit Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen aus mehr als 15 Ländern in Bremen entstanden sind. Sie drücken aus, wovon viele der Geflüchteten träumen und wofür sie kämpfen: Einen Ort zum Leben, Essen und Trinken, Bildung und Arbeit, Alltag, Normalität in Frieden.

Musiktherapie

Das Konzept dieser Angebote ist ressourcenorientiert und integrativ und soll den TeilnehmerInnen – teilweise in Ergänzung zu einer Einzeltherapie – die Gruppenerfahrung wieder zugänglich machen.

Neben Gesprächsteilen bietet Musik in Gruppen- und Einzelimprovisationen und mittels Liedern die Erfahrung unmittelbaren gemeinsamen Erlebens, die Möglichkeit zum kreativen Ausdruck bzw. zum (Mit)Teilen individueller Seinszustände und Ressourcen, zu direktem emotionalem Ausdruck, zur Identitätsstärkung und Integrationserfahrung.

Musiktherapie kann im Sinne moderner Traumatherapie mit Hilfe der Ressourcenfunktion der Musik zur Stabilisierung und Entlastung eingesetzt werden, um Kräfte und Potentiale zu mobilisieren.

MITMACHEN & SPENDEN