Themen

Inhaltlich hat sich REFUGIO seit der Gründung 1989 mit vier großen Themen beschäftigt:
Flucht, Folter, Trauma und Gesundheitsversorgung für nach Bremen geflüchtete Menschen.

In den 1980er Jahren gingen ExpertInnen bei den spezifischen Erkrankungen noch von einer Art „Flüchtlingsdepression“ aus – anders konnten ließen sich die Alpträume, die Angst, die Ohnmachtsanfälle scheinbar nicht erklären. Das Konzept der „Traumatisierung“ entwickelte sich in der westeuropäischen Fachwelt basierend auf Impulsen von ExpertInnen aus Lateinamerika, von amnesty international in Kopenhagen und aus der Literatur über Spätfolgen des Holocaust. Hinzu kamen  Erkenntnisse der Frauenbewegung, die in den 1980er Jahren zum Thema seelische Folgen von sexuellen Gewalterfahrungen Pionierarbeit auch in der BRD leistete. Heute ist die Erkenntnislage dank der Forschung umfangreicher und öffentliche und fachliche Akzeptanz größer geworden.

Trauma

Eine psychische Verletzung, die aus Extremsituationen wie z.B. Folter, Krieg, Bürgerkrieg oder Flucht entsteht, bezeichnet man als Trauma. Die Erlebnisse aus den Extremsituationen wirken so übermäßig belastend auf den einzelnen Menschen, dass die Psyche nicht mehr auf gewohnte, normale Weise reagieren kann. Sie wird von der Gefahr förmlich überflutet. Notfallreaktionen werden aktiviert, die zunächst verhindern, dass der Mensch vollkommen zusammenbricht.

„Die Traumatisierung endet nicht automatisch mit der Flucht.“ Ingrid Koop, therapeutische Leiterin von REFUGIO. „Es ist vielmehr ein andauernder Prozess, eine Traumatisierung in Etappen.“

Bestehen nach dem Trauma ausreichende Sicherheit und Unterstützung, dann gelingt es oft, die schrecklichen Erfahrungen aus eigener Kraft zu bewältigen.
Manchmal, besonders nach schweren Traumata, kann das Erlebte jedoch nicht verarbeitet werden und der traumatisierte Mensch erkrankt seelisch. Das Trauma bleibt dann wie ein Fremdkörper in der Seele zurück und belastet und behindert die Menschen auch dann noch, wenn die eigentliche Situation und ihre Gefahren längst vorbei sind.
Die Überlebenden werden dann z.B. von Schuldgefühlen verfolgt. Sie fragen sich, warum gerade sie verschont geblieben sind und haben ein schlechtes Gewissen gegenüber denen, die getötet wurden oder denen eine Flucht nicht gelang. Traumatisch erkrankte Menschen weisen oft auch eine Vielzahl körperlicher Schmerzen auf, haben Gedächtnis- und Schlafstörungen und Albträume. Sie haben ihr Vertrauen in die Menschheit und in die Zukunft verloren. Dann ist es sinnvoll, eine traumatherapeutische Behandlung einzugehen.

Traumatherapie: Die meisten Flüchtlinge, die zu REFUGIO kommen, haben schwere traumatisierende Erfahrungen mitgemacht. Ein großer Teil von ihnen ist daran erkrankt und benötigt spezialisierte Behandlung. Das erste Ziel in der Therapie mit schwertraumatisierten Menschen ist die Herstellung einer Situation der Sicherheit und eines  Vertrauensverhältnisses für die weitere Arbeit. Zudem sollte das therapeutische Vorgehen durch Zurückhaltung und Vorsicht bestimmt sein, denn die Klient*innen sind ja gerade durch permanente extreme Grenzverletzungen gezeichnet. Andernfalls besteht im ungünstigsten Fall die Gefahr einer Retraumatisierung.

REFUGIO arbeitet  mit extrem traumatisierten Flüchtlingen nach einem Modell Integrativer Traumatherapie. Unter den herrschenden politischen Bedingungen in der Heimat wie im Exilland sind dabei die beiden schwerwiegendsten Faktoren die unsichere Aufenthaltssituation und die unklare Rückkehrperspektive. Nur schwer kann dann ein verlässlicher, sicherer Raum für die Behandlung entstehen. Die Arbeit wird immer wieder von aktuellen Entwicklungen im Asylverfahren und den widrigen Bedingungen des Alltagslebens als Flüchtling zurückgeworfen. Auch dramatische Vorkommnisse im Heimatland können sich negativ auf die Behandlung auswirken und die Klient*innen in eine Krise stürzen. Die therapeutische Arbeit konzentriert sich dann auf die Stützung der Klient*innen und auf die Stärkung ihrer eigenen Ressourcen und Möglichkeiten. Hintergrund: Koop, Ingrid: „Narben auf der Seele: Integrative Traumatherapie mit Folterüberlebenden.“ integrative-traumatherapie-folteropfer

Versorgungssituation: Die Dachorganisation der Psychosozialen Zentren in Deutschland (BAfF) hat Daten zur Versorgungssituation von Flüchtlingen in Deutschland zusammengestellt. Daraus geht hervor, dass auch die aktuelle Situation struktureller Verbesserungen bedarf – auch in Bremen.


Dabei hatte die Hansestadt eine Vorreiterrolle in der Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge. Die Stadt führte in den 1990er Jahren Sprechstunden für Flüchtlinge ein, 2005 normale Krankenkassen-Karten und 2009 Sprechstunden für Papierlose. Angestoßen hat das Heinz-Jochen Zenker, damaliger Leiter des Gesundheitsamt und ehemaliges Vorstandsmitglied von REFUGIO Bremen e.V..

„Der Status hat nicht zu interessieren.“ Hans-Jochen Zenker im taz-Interview

Das Behandlungszentrum REFUGIO Bremen widmet sich seit 30 Jahren der psychosozialen Beratung und Behandlung von Flüchtlingen und Folterüberlebenden und hat sich zusätzlich zur Aufgabe gemacht, auf die große Bedeutung von therapeutischer Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen und Folterüberlebenden in Fachkreisen und bei gesundheitpolitischen Akteuren aufmerksam zu machen.

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