Themen

Inhaltlich hat sich REFUGIO seit der Gründung 1989 mit vier großen Themen beschäftigt:
Flucht, Folter, Trauma und Gesundheitsversorgung für nach Bremen geflüchtete Menschen.

In den 1980er Jahren gingen ExpertInnen bei den spezifischen Erkrankungen noch von einer Art „Flüchtlingsdepression“ aus – anders konnten ließen sich die Alpträume, die Angst, die Ohnmachtsanfälle scheinbar nicht erklären. Das Konzept der „Traumatisierung“ entwickelte sich in der westeuropäischen Fachwelt basierend auf Impulsen von ExpertInnen aus Lateinamerika, von amnesty international in Kopenhagen und aus der Literatur über Spätfolgen des Holocaust. Hinzu kamen  Erkenntnisse der Frauenbewegung, die in den 1980er Jahren zum Thema seelische Folgen von sexuellen Gewalterfahrungen Pionierarbeit auch in der BRD leistete. Heute ist die Erkenntnislage dank der Forschung umfangreicher und öffentliche und fachliche Akzeptanz größer geworden.

„Die Traumatisierung endet nicht automatisch mit der Flucht.“ Ingrid Koop, therapeutische Leiterin von REFUGIO. „Es ist vielmehr ein andauernder Prozess, eine Traumatisierung in Etappen.“

Die Dachorganisation der Psychosozialen Zentren in Deutschland (BAfF) hat Daten zur Versorgungssituation von Flüchtlingen in Deutschland zusammengestellt. Daraus geht hervor, dass auch die aktuelle Situation struktureller Verbesserungen bedarf – auch in Bremen.
Dabei hatte die Hansestadt eine Vorreiterrolle in der Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge. Die Stadt führte in den 1990er Jahren Sprechstunden für Flüchtlinge ein, 2005 normale Krankenkassen-Karten und 2009 Sprechstunden für Papierlose. Angestoßen hat das Heinz-Jochen Zenker, damaliger Leiter des Gesundheitsamt und ehemaliges Vorstandsmitglied von REFUGIO Bremen e.V..

„Der Status hat nicht zu interessieren.“ Hans-Jochen Zenker im taz-Interview

Nach diesem Motto arbeitet die Humanitäre Sprechstunde im Gesundheitsamt noch heute. Das Behandlungszentrum REFUGIO Bremen widmet sich seit 25 Jahren der psychosozialen Beratung und Behandlung von Flüchtlingen und Folterüberlebenden und hat sich zusätzlich zur Aufgabe gemacht, auf die große Bedeutung von therapeutischer Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen und Folterüberlebenden in Fachkreisen und bei gesundheitpolitischen Akteuren aufmerksam zu machen.

Rede Ingrid Koop im Bremer Rathaus aus Anlass des Festaktes zum 20jährigen Bestehen von REFUGIO Bremen (2009)

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