Geflüchtete haben häufig massive Gewalt erlebt – in ihrem Herkunftsland, auf der Flucht und manchmal auch in den Aufnahmeländern. Gleichzeitig stellt das Asylverfahren hohe Ansprüche an Schutzsuchende. Während der Anhörung müssen sie ihre Fluchtgeschichte detailliert und nachvollziehbar schildern. Das ist insbesondere für traumatisierte Menschen nicht ohne weiteres möglich. Damit psychisch erkrankte Schutzsuchende ihr Asylverfahren unter fairen Bedingungen durchlaufen können, haben sie aufgrund von europäischer Gesetzgebung Anrecht auf bestimmte Garantien im Asylverfahren. Außerdem müssen ihre Bedarfe beispielsweise in Bezug auf medizinisch/ therapeutische Versorgung oder Unterbringung berücksichtigt werden.

Auch bei REFUGIO in Bremen beobachten und kennen wir diese Situation. Wir setzen uns seit längerem fachpolitisch für eine Veränderung der Rahmenbedingungen und verbesserte Zugangsmöglichkeiten für Geflüchtete ein.
Die Bundesregierung sieht die Verantwortung für die Identifizierung besonderer Schutzbedarfe bei den Bundesländern. Das hat dazu geführt, dass die Situation in den Bundesländern sehr unterschiedlich ist. In der aktuellen Studie der BAfF (Bundesarbeitgemeinschaft der psychosozialen Zentren) vom 11.11.2020 werden die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Ansätze in allen Bundesländern analysiert und daraus ein Verfahren zur strukturierten Identifizierung abgeleitet, das die Vorteile der bereits bestehenden Ansätze beinhaltet.
Anhand dieser Auswertung wurde ein effektives und systematisches Verfahren für eine strukturierte Identifizierung besonderer Schutzbedürftigkeit von Geflüchteten entwickelt.
Dieses sollte deutschlandweit umgesetzt und von der Bundesregierung evaluiert werden. Mehr zur Studie finden Sie hier: http://www.baff-zentren.org

Bremen nimmt sich dieser Situation nun an. So teilte der Bremer Senat unlängst mit, zeitnah eine psychologische Erstberatung in der Landesaufnahmestelle einzurichten. „Die psychologische Erstberatung soll Hilfebedarfe schon in der Ankommensphase feststellen“, sagte Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport, „erste Krisenintervention leisten und erforderliche Behandlungen einleiten.“ (Senat)