REFUGIO e.V., Behandlungszentrum für Flüchtlinge und Folterüberlebende, mahnt anlässlich des 10. Dezember die Achtung und Wahrung der Menschenrechte auch in Zeiten der Pandemie nicht zu vergessen. Dazu gehört unter anderem, Überlebende von Folter die notwendige therapeutische Versorgung bieten zu können.
Nach wie vor flüchten Menschen vor Folter und Gewalt nach Europa, nach wie vor ist diese auf ihren Fluchtrouten weit verbreitet und nach wie vor tragen sie meist körperliche und seelische Schäden davon. Von jährlich über 500 Menschen, die sich bei REFUGIO in Bremen und Bremerhaven in Behandlung begeben, sind etwa 10% von Folter betroffen.

„Die Betroffenen brauchen Schutz, Sicherheit und Unterstützung – insbesondere aber einen reibungslosen Zugang zu gesundheitlicher Versorgung und therapeutischen Angeboten“, so Ingrid Koop, Therapeutische Leiterin des Behandlungszentrums REFUGIO. „Unser Zentrum füllt die Lücke, die im Regelgesundheitssystem herrscht, da Geflüchtete vielfach von psychotherapeutischer Versorgung ausgeschlossen sind.“

Der 10. Dezember ist der Gedenktag zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen (UN). Es gilt also heute neben dem Menschenrecht auf Gesundheit auch jene Artikel der Erklärung zu betonen, die Gleichheit (Art. 1), das Verbot von Folter (Art. 5) und das Recht auf Asyl (Art. 14) beinhalten.

Im Hinblick auf vorhandene Restriktionen durch das Asylbewerberleistungsgesetz, Diskussionen um Rückführungen nach Syrien oder Afghanistan oder die Existenz von menschenunwürdigen Lagern im Mittelmeerraum ist die am 10. und 11.12. stattfindende Innenministerkonferenz in Berlin ein Gradmesser für die Bedeutung der Menschenrechte . Gleichzeitig entsteht zurzeit ein Neues EU-Migrations- und Asylpaket, das für Abschreckung und Auslagerung des Flüchtlingsschutzes anstelle von Solidarität steht. Auch hier gibt es Handlungsbedarf, um nicht mitansehen zu müssen, wie die Menschenrechte und deren Umsetzung an Bedeutung verlieren.

„Für Schutz, Gesundheit und Solidarität für Geflüchtete braucht es auch politisches Handeln“, so Björn Steuernagel, Vorstand von REFUGIO e.V.

REFUGIO setzt sich dafür ein, Erkennen und Dokumentation von Folter für die Anerkennung im Asylverfahren zu verbessern. Gleichzeitig sind aber strukturelle Verbesserungen unter anderem für die Behandlung der Überlebenden von Folter notwendig.