Expert*innen diskutieren über Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge

Perspektiven für traumatisierte Flüchtlinge

Anlässlich der bundesweiten Fachtagung „Das Persönliche und das Politische“ treffen sich Expert*innen und Fachkräfte vom 9. bis 11. November im Bürgerzentrum Bremen‐Vahr und diskutieren neue Perspektiven und Ziele für die Gesundheitsversorgung traumatisierter Flüchtlinge.

Unter den knapp 200 Teilnehmenden sind Vertreter*innen aus über 30 Beratungs‐ und Behandlungszentren aus dem ganzen Bundesgebiet sowie lokale Fachkräfte aus dem Bereich Gesundheit und soziale Arbeit. Veranstaltet wird die Tagung von REFUGIO Bremen und der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren, BAfF e.V. Die Eröffnung durch Bremens Bürgermeisterin Karoline Linnert findet am morgigen Donnerstagnachmittag um 17 Uhr statt.

Im Mittelpunkt der fachlichen und politischen Diskussion steht die unzureichende therapeutische Versorgung Geflüchteter. Denn nach wie vor mangelt es bundesweit an Behandlungsmöglichkeiten für Traumatisierte und seelisch Belastete. Die Kostenübernahme für das notwendige Dolmetschen ist selten gewährleistet und auch die interkulturelle Öffnung des Gesundheitswesens ist nicht abgeschlossen. Die Lücke wird von den bundesweit 37 spezialisierten Zentren, wie REFUGIO in Bremen, durch kostenlose  mehrsprachige therapeutische Behandlungen geschlossen. Sie gewährleisten bundesweit die psychosoziale Beratung und therapeutische Behandlung für über 18.000 Personen. Allein REFUGIO Bremen hat im vergangenen Jahr etwa 450 Personen versorgt.

Traumatisierte und seelisch belastete Flüchtlinge gehören zur vulnerabelsten Gruppe, brauchen besonderen Schutz und haben Ansprüche auf spezialisierte Unterstützung.

„Bislang bleibt ihre besondere Situation während der Aufnahme und während des Asylverfahrens meist unerkannt“, erklärt Hans‐Jochen Zenker, ehemaliger Leiter des Gesundheitsamts Bremen und heute im Vorstand des Dachverbands BAfF. „Bedarfe werden übersehen, viele Erkrankte bleiben unbehandelt.“

Im Fokus der Vorträge und Workshops stehen die Themen „Trauma und Resilienz“ und „Früherkennung und Prävention“. Doch auch die Ausgrenzung durch das Asylbewerberleistungsgesetz wird thematisiert. Unter den sich ändernden gesellschaftlichen und politischen Bedingungen stellen sich die Vertreter*innen der Psychosozialen Zentren jedoch auch die Frage nach ihrer Rolle zwischen festem Bestandteil der Versorgungsstruktur und Funktionalisierung. Schließlich sind die Zentren vielfach durch Spenden und zeitlich befristete Projektmittel finanziert. Das begrenzt die Perspektive auf eine nachhaltige Versorgung der Flüchtlinge und die Sicherheit des Fortbestehens der Zentren ebenso.

 „Seit der Gründung der Zentren sind große Schritte zugunsten der Gesundheitsversorgung von Geflüchteten gemacht worden“, erläutert Ingrid Koop, therapeutische Leitung von REFUGIO Bremen. „Nun ist die Frage: Wie geht es weiter?“

Die Tagung geht noch bis zum Samstag und natürlich wird auch über die Verortung und Zukunftsausrichtung der Zentren diskutiert.