Logo Refugio Bremen

Ein traumatisierter Mensch ist in seiner ganzen Körperlichkeit angegriffen. Besonders deutlich wird dies bei extremtraumatisierten Menschen, die Folter überlebt haben. Folter zielt nur vordergründig auf das Abpressen von „Geständnissen“. Das determinierte Ziel von Folter ist die Zerstörung der Persönlichkeit und der sozialen Gemeinschaft. Über den direkten Angriff auf den Leib soll der ganze Mensch in seiner Identität gebrochen werden.

Körperliche Schmerzen sind untrennbar mit den seelischen verbunden. Eine belastete Körperlichkeit kann eine Belastung der Gefühle oder der Gedanken zur Folge haben. Folterüberlebende sind konkret in ihrer Leiblichkeit bedroht und beschädigt worden, was in der Regel zur Ausbildung einer akuten oder chronischen Stressphysiologie führt und Auswirkungen auf den emotionalen, kognitiven und auch sozialen Bereich hat. Durch körperliche Entspannung und Aktivierung (Bewegungsübungen, Körperarbeit, Physiotherapie, Sport etc.) werden Emotionen und Kognitionen beeinflusst und Änderungen im sozialen Netzwerk bewirkt. Manchmal bringt alleine das Gehen, das Bewegen im Raum eingefahrene Gedanken und erstarrte Gefühle wieder  "in Bewegung".

Behandlung
In der körpertherapeutischen Einzelbehandlung stehen selten klar definierbare körperliche Symptome im Vordergrund, wie z.B. Schnitt-, Stich- oder Schussverletzungen, noch sind es orthopädische Probleme im Sinne von Knochenbrüchen, manifestierten Wirbelsäulenschäden oder Bänderverletzungen, die allesamt auch mit traditioneller Physiotherapie gut zu behandeln wären. Weit häufiger sind es starke psychische Störungen, die meistens als posttraumatische Belastungsstörung oder Störungen durch Extremtraumatisierung diagnostiziert sind und als extreme Muskelverhärtungen im ganzen Körper gefunden werden können. Sind solche psychischen Belastungen über Wochen und Monate andauernd, können aus den Muskelverspannungen eigene Krankheitsbilder entstehen (z.B. Wirbelsäulensyndrome durch Verspannungen, Blockierungen, Herzschmerzen ohne organischen Befund, Nackenverspannungen mit Schulter- und Kopfschmerzen).
 
Diese Krankheitssymptome begünstigen bzw. verstärken noch die Trauma-Symptome, die meistens als Kopfschmerz, Gliederschmerzen, Unruhe, Schlaflosigkeit, Abgeschlagenheit und Herzschmerzen angegeben werden. Bei KlientInnen, die diese Auffälligkeiten zeigen, kombinieren wir psychotherapeutische und körpertherapeutische Behandlungen, die gegebenenfalls mit ärztlicher oder psychiatrischer Behandlung ergänzt werden. Körperwahrnehmungs- und Entspannungsübungen, aber auch leichte Massagen, Druckpunktmassagen und Akupunktur schaffen Erleichterung und Zugänge zu verschütteten Gefühlen.

Multimodales Vorgehen
In der Kombination der Therapien sehen wir, bei entsprechend ausgewähltem Klientel, einen entspannten Geist in einem entspannten Körper und umgekehrt. Die Erfolge, die wir in den letzten Jahren gesehen haben, bestärken uns zu sagen, dass ein multimodales, aufeinander abgestimmtes Vorgehen  erfolgreicher ist als ein Aneinanderreihen einzelner Therapien.

Bei REFUGIO arbeitet zur Zeit eine Körpertherapeutin als Honorarkraft. Außerdem findet eine Integrative Bewegungs- und Leibtherapiegruppe für kurdische Frauen statt.

Körper- und Physiotherapie

    

zurück zurück zur letzten Seite