Flucht
Flucht
bedeutet einen
längeren, oft permanenten Ausnahmezustand. Er beginnt mit den
Schwierigkeiten,
überhaupt erst einmal das Verfolgungsland zu verlassen. Der
Transport und ein
Mindestmaß an Versorgung müssen improvisiert werden.
Flüchtlinge haben nur in Ausnahmefällen
vollständige und gültige Papiere, wie
z.B. Visa. Das bereitet weitere Schwierigkeiten in den
Transitländern.
Insgesamt zieht sich die Flucht oft über Wochen, manchmal
über Monate hin.
Die Menschen erreichen (wenn überhaupt) erschöpft und
häufig in einem
kritischen Zustand das Exilland.
Für
manche Menschen
stellen die Umstände einer Flucht die eigentliche traumatische
Erfahrung dar. Bei anderen kommen
zum ursprünglichen, z.B. aus Verfolgung und Folter
herrührendem Trauma, eine traumatische Fluchterfahrung und
andauernde Unsicherheit im Exil hinzu. Man spricht dann von sequentieller, d.h. fortgesetzter Traumatisierung.
Verlusterfahrung
Flucht bedeutet, fast alles zu verlieren. Dieser Verlust bezieht sich insbesondere auf die Familie, Verwandte und Freunde. Betroffen sind auch die Grundlagen der beruflichen und materiellen Existenz. Flucht hat meistens zur Folge, aus der eigenen, vertrauten Sprache und Kultur gerissen zu werden. Es ist oft schwierig im Exil, die eigene Religion zu praktizieren. In der neuen Kultur sind auch zwischenmenschliche Verhaltensweisen, das Essen, Freizeitaktivitäten anders. Beruflich erfolgt meist ein Statusverlust und die Unmöglichkeit, durch die gelernte Ausbildung oder Tätigkeit finanziell sein Dasein bestreiten und befriedigende Arbeitserfahrungen machen zu können. All dieses kommt einem Identitätsverlust gleich.
Fremde Welten
Zudem wird den fremden Verhaltensweisen der Flüchtlinge eher mit Misstrauen und Ablehnung als mit der Bereitschaft begegnet, sich mit diesen auseinander zu setzen. Diese Umstände stellen für Flüchtlinge weitere Belastungen dar, die sie teilweise kaum bewältigen können. Sie erleben eine „fremde Welt“. Ohne Zugang zu dieser ist es ihnen nur selten möglich, sich als Ersatz für die verlorene eine neue Identität, ein neues Zuhause aufzubauen.