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Film "Wieder leben lernen"
In
Zusammenarbeit mit der Filmemacherin Beate Neuhaus wurde 2006
ein 45minütiger Dokumentarfilm über die Geschichte
von
fünf Flüchtlingen und die Arbeit von
REFUGIO erstellt.
Der Film begleitet drei Frauen aus Bosnien, Kurdistan und
Tschetschenien, zwei Männer aus Kamerun und Kurdistan und ein
Kind
aus Tschetschenien. Er zeigt, wie sie sich über therapeutische
Begleitung mit ihren leidvollen
Erfahrungen und Ängsten, aber auch der Lebenssituation im Exil
auseinander
setzen und „wieder leben lernen“. In dem Film geht
es um
Flüchtlinge im Raum
Bremen, die Schicksale und Alltagserfahrungen sind jedoch
charakteristisch für
Flüchtlinge in der gesamten Bundesrepublik und in Westeuropa.
Ebenso wird am
Beispiel des Behandlungszentrums REFUGIO ein allgemeiner Einblick in
die
therapeutische Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen gegeben.
Der
Film ist
bei REFUGIO für die Öffentlichkeits- und
Fortbildungsarbeit von Organisationen zu erhalten.
Pressestimme
zum Film:
"Diese
Schreie, diese Schmerzen"
Bremer Filmemacherin zeigt das Schicksal von
Folteropfern
Von Dieter Sell
Bremen (epd).
Noch vor
einem Jahr hat Sibafu Toussidu keine Nacht
geschlafen. Einen klaren Gedanken fassen, mit anderen Menschen
sprechen, ein Instrument spielen - dies alles war für den
Musiker
aus Kamerun unmöglich. Nach der Folter in seinem Heimatland
flüchtete Toussidu als gebrochener Mann nach Bremen, wo er im
psychosozialen Therapiezentrum von "Refugio"
Hilfe fand. Die Filmemacherin Beate Neuhaus macht nun erstmals in einer
fernsehtauglichen Dokumentation öffentlich, wie er und andere
Folteropfer lernen, mit den Albträumen zu leben.
Der
Titel des Films ist Programm bei
Refugio: "Wieder leben lernen"
heißt der 45-minütige Streifen, in dem
Flüchtlinge die
Hauptdarsteller sind. Sie alle verbindet eine grausame Vergangenheit.
Sie haben Scheinhinrichtungen erlebt, mussten tagelang stehen, wurden
mit eiskaltem Wasser überschüttet, durften nicht mehr
schlafen oder wurden gezwungen, der Folter ihrer
Mitgefangenen zuzusehen. "Diese Schreie, diese Schmerzen - ich lebe
immer damit", berichtet der Kurde Baran Tschiya, der selbst mit
Elektroschocks gefoltert wurde.
Immer
nachts kommen bei Tschiya die
Erinnerungen an die Folter zurück. Wie er leiden viele der
Refugio-Patienten noch Jahre später an Albträumen,
Panikattacken und Schlafstörungen. Beate Neuhaus hat Tschiya
und
andere über Monate mit der Kamera begleitet. Das 1990
gegründete Zentrum behandelt nach eigenen Angaben
jährlich
etwa 250 Flüchtlinge und Folterüberlebende aus 30
Ländern. Darunter sind schwer traumatisierte Erwachsene,
Kinder
und Jugendliche aus Bürgerkriegsgebieten und Menschen, die
Opfer
staatlich organisierter Gewalt und Folter geworden sind.
Amnesty international dokumentierte im Jahresbericht 2004
Menschenrechtsverletzungen in 149 Ländern dieser Erde. In 104
Staaten wurden Menschen von Sicherheitskräften, Polizisten und
anderen
Staatsangestellten gefoltert oder misshandelt. Neben der
körperlichen Folter wird zunehmend die psychische Folter
angewandt, um die Persönlichkeit von Menschen zu brechen.
Der Bedarf in den bundesweit 20 Hilfszentren für Folteropfer
ist
groß. In Bremen beträgt die Wartezeit zwischen
Erstgespräch und Therapiebeginn nach Angaben von
Projektleiterin
Ingrid Koop ein Jahr. In dieser Zeit und später seien "die
Erinnerungen immer präsent", hat Neuhaus bei den
Dreharbeiten erfahren. Die Therapie sei ein schmerzvoller Prozess, der
oft durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus erschwert werde. "Die
Menschen brauchen ein Minimum an Sicherheit", bestätigt
Psychotherapeutin Koop.
"Der Film macht deutlich, dass tiefe Traumatisierungen nicht heilbar
sind", würdigt Refugio-Vorstandsmitglied Jochen Zenker die
Arbeit
von Beate Neuhaus. Die Dokumentation vermittele aber auch die
"begrenzte
Zuversicht", nach der Therapie mit den Verletzungen umgehen zu
können,
ergänzt der Psychiater, der auch Leiter des Bremer
Gesundheitsamtes ist.
Nach der Therapie: Das bedeutet für Sibafu Toussidu, wieder
Musik
machen zu können. Baran Tschiya ist zur Ruhe gekommen und
erlebt
Nächte ohne Albträume. Dabei hat ihm auch die
Anerkennung als
politischer Flüchtling geholfen. Wenn es ihm noch besser geht,
will er die erfahrene Unterstützung weitergeben und selber
helfen.
Vielleicht sogar als Therapeut bei Refugio.
(epd
Niedersachsen-Bremen/b0750/22.03.06)

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