Folter & Angehörige
Folter zielt nicht nur
auf das Opfer selbst, sondern betrifft in hohem Maße die soziale Umgebung, v.a.
die Angehörigen. Während der Gefangenschaft leben diese meist in großer Sorge,
die vor allem dadurch gesteigert wird, dass das genaue Schicksal der Gefangenen
unbekannt bleibt. Offizielle Informationen über den Verbleib der Gefangenen
gibt es meist nicht, oft ist nicht einmal klar, ob sie noch leben. Die
Angehörigen müssen befürchten, dass ihr eigenes Verhalten einen negativen
Einfluss auf das Schicksal der Gefangenen haben kann. Deshalb sind auch sie
häufig in ihren eigenen (persönlichen und politischen) Aktivitäten gelähmt.
Falls die Gefangenen überleben und freigelassen werden, ist der
Schrecken nicht zu Ende. Den Überlebenden sind die Torturen meist deutlich
anzusehen, aber oft gelingt es den Angehörigen nicht, mit ihnen über ihre
Erlebnisse offen zu sprechen. Die Verletzungen können so untergründig
weiterwirken, Angehörige können regelrecht vom Leiden der Überlebenden
“infiziert” werden. Sie haben dann ähnliche Symptome wie diese selbst. Die
Wirkungen der Folter können so
ganze Gesellschaften lähmen.
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