Abschiebung
Die wohl stärkste Belastung für einen großen Teil der überlebenden Flüchtlinge stellt die unsichere Aufenthaltssituation in Deutschland bzw. drohende Gefahr der Abschiebung dar. Dies ist der Fall, wenn die Flüchtlinge noch auf eine Anerkennung warten oder einen ablehnenden Bescheid erhalten haben, in dem aber nicht alle Gründe berücksichtigt wurden. Dies heißt für sie, dass die belastende Situation der Ungewissheit und Bedrohung eben nicht wie erhofft ein Ende hat. Abschiebung bedeutet ja die erzwungene Rückkehr in eben die Verhältnisse, unter denen das Trauma entstanden ist.
Diese Zeit der Ungewissheit ist erfüllt von Hoffnungslosigkeit und erzwungener Passivität. Sie macht es zudem oft unmöglich, sich mit dem Erlittenen auseinander zu setzen. Die Angst vor einer erneuten Verfolgung führt dabei nicht selten zu Suizidgedanken und -versuchen. Dieser Umstand begegnet uns oft als extremes Hindernis in Beratung und Therapie. Die Praxis der Abschiebehaft empfinden viele als zusätzlich entwürdigend. Die Flüchtlinge werden in regulären Gefängnissen wie Kriminelle inhaftiert, obwohl sie keine Straftaten begangen haben. Die Passivität wird dort nochmals gesteigert, wenn es keine Freizeitangebote, kaum Kontakt zur Außenwelt und nur wenige Minuten Hofgang am Tag gibt.
Selbstbestimmte Rückkehr
Flüchtlinge wollen nicht um jeden Preis im Exilland bleiben. Im Gegenteil: Die meisten möchten in ihr Heimatland zurückkehren, sobald dies möglich ist. In den therapeutischen Gesprächen ist die Frage der Rückkehr ein wichtiges Thema. Diese setzt zum einen entsprechende politische Verhältnisse in der Heimat voraus. Vor allem aber muss den Flüchtlingen die Möglichkeit gegeben werden, zur Ruhe zu kommen und sich mit dem Erlittenen einerseits und den Perspektiven für eine Rückkehr andererseits im geschützten Rahmen und ohne Abschiebedruck auseinander setzen zu können.
REFUGIO als Behandlungszentrum kann bei unmittelbaren Abschiebedrohungen nicht eingreifen. Wir verweisen in diesen Fällen zur rechtlichen Abklärung an Flüchtlingsberatungsstellen und RechtsanwältInnen.